„Kultur am Ende der Welt“ – das hat Thomas Maurer ins Gästebuch des „Bühnenwirthaus Juster“ in Gutenbrunn eingetragen.
In die Stadt fahren um Kultur genießen zu können? Eines Tages war Schluss damit. Zumindest in Gutenbrunn im tiefsten, bzw. höchsten (850 m Seehöhe) Waldviertel. Im Jahr 1992 wurde hier das Wirtshaus-Spektakel ins Leben gerufen – eine sechswöchige Veranstaltungsreihe mit Kabarett, Konzerten und Theater. Bald darauf – 1994 – entstand aus dem Projekt das erste Bühnenwirtshaus. Als Trägerverein wurde ebenfalls 1994 die Kulturinitiative Weinsbergerwald gegründet, die seit dieser Zeit nicht nur das Programm im Bühnenwirtshaus besorgt, sondern sich zu einem „kulturellen Nahversorger“ im südlichen Waldviertel entwickelte.
Die Kulturinitiative Weinsberger Wald war wohl die erste ihrer Art, die mit der Idee eines „Bühnenwirtshauses“ an das Land Niederösterreich herantrat und um Förderungen ansuchte. Einen Kulturverein eng mit einem Gastronomiebetrieb zu verknüpfen und damit einerseits Kultur in die Regionen zu bringen, andererseits aber auch bestehender Infrastruktur (leer stehende Gasthaussäle!) neues Leben einzuhauchen – diese Idee überzeugte.
Einige Jahre später hatten bereits weitere Vereine wie „Bühne frei“ (Salzstadl in Krems-Stein) „Akku“ (Gasthaus Frangl in Echsenbach), „Kultur am Rande von Wien“ (Gwölb Bier & Kultur in Korneuburg) dieses Modell aufgegriffen.
Dann wurden es immer mehr.
Die Förderstelle des Landes erkannte bald, dass all diese Vereine nicht nur die selben Ziele verfolgten, sondern auch mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten. Daraus wurde die Idee geboren, die Vereine und Wirte zu vernetzen und die mittlerweile 14 Initiativen zu den „Bühnenwirtshäusern NÖ“ zusammenzuschließen.
Mit Hilfe der Kulturvernetzung Niederösterreich – einer öffentlichen Beratungs- und Servicestelle, die Kulturschaffenden kostenlos zur Verfügung steht – wurde diese Idee in die Tat umgesetzt. Es gab erste Treffen, die der „Waldviertel-Vernetzer“ Willi Lehner organisierte. Die Wirte und Vereine tourten zudem per Bus durch das Land und besuchten die jeweiligen Initiativen um das gemeinsame Projekt besser entwickeln zu können. Die Gruppe fand langsam zueinander und legte auch verbindliche Kriterien für ein „Bühnenwirtshaus“ fest. Eine feste Grundregel lautet, dass Wirt und Verein eine Symbiose bilden. Der Wirt stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung und tritt als Hauptsponsor auf, der Verein macht das Programm.
Das Projekt „Bühnenwirtshäuser NÖ“ startet – fotografiert von Nikolaus Korab – mit einer gemeinsamen Website, einer Broschüre und einem Folder.
Die Bühnenwirtshäuser – immerhin 50.000 Besucher an 365 Veranstaltungen im Jahr – werden ein starker Partner im regionalen Kulturgeschehen des Landes sein, Kultur in all die kleinen Städte, Märkte und Dörfer Niederösterreichs bringen und künftig auch gemeinsame Aktionen starten.
In ihrer Geschichte wird jetzt in ein neues Kapitel aufgeschlagen.
Was macht einen Abend im Bühnenwirtshaus zu etwas Besonderem? Es gibt praktisch keine Hemmschwelle, die Eintrittspreise sind moderat, man genießt die kulinarischen Vorzüge der Küche und erlebt die Künstler hautnah.
Vielleicht kann auch das Auto einfach zu Hause bleiben.